24. Mannheimer Vesperkirche 2021 geht erfolgreich zu Ende

Rund 8200 warme Essen in 21 Tagen ausgegeben – Corona getrotzt

(Mannheim, 31.01.2021) „Liebe, Kraft und Besonnenheit haben uns getragen“, sagt Dekan Ralph Hartmann zum Abschluss der Vesperkirche. Er sei erleichtert, dankbar und stolz, so Hartmann weiter. Das strenge Hygienekonzept habe gegriffen und funktioniert. „Wir waren keine Geisterfahrer“, so Hartmann weiter, „unsere Aufgabe ist es, da hinzuschauen, wo keiner hinschauen will“ „In diesem Jahr war unsere Vesperkirche der Aufstand gegen eine Pandemie und damit gegen die Furcht“, ergänzt Pfarrerin Ilka Sobottke. Die Vesperkirche hat erfolgreich Corona getrotzt.

Über 8000 warme Essen, Kuchen und Vesperbeutel

Insgesamt wurden an 21 Tagen etwa 8200 warme Essen sowie Kuchen und Vesperbeutel an die Gäste ausgegeben und verteilt. Hinzu kamen Getränke wie Saft, Wasser oder Kaffee. Etwa zwei Drittel der Gäste bevorzugten das „to go“ Angebot, die anderen – zumeist Wohnsitzlose oder Menschen mit schweren psychischen Belastungen – nahmen im Kirchenraum Platz. Ein Trend, der sich vom ersten Tag abzeichnete. Eine weitere Tendenz zeigte sich deutlich: Von Tag zu Tag waren es mehr Menschen, die zur Vesperkirche kamen. Erschienen am ersten Tag noch 200 Gäste, waren es bereits am 10. Tag über 400 Menschen. Viele waren zu Beginn offenbar verunsichert und trauten sich nicht, das Angebot wahrzunehmen. So sagte ein älterer Herr: „Man hat ja Angst vor allem und vor anderen Menschen, Hier fühle ich mich sicher“. Die Kapazität im Kirchenraum war nie voll ausgelastet, da viele das „to go“ Angebot bevorzugten. Bis zu 135 Gäste nahmen an einem Tag im Kirchenraum Platz. Da sie in drei Schichten bewirtet wurden, hätten in der Kirche bis zu 180 Menschen pro Tag versorgt werden können. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden täglich rund 500 Essen ausgegeben, in diesem Jahr waren es knapp 390. Das zeigt, dass trotz Corona und dem strengen Hygienekonzept, verbunden mit Registrierung und Fiebermessen, viele Menschen die Vesperkirche suchten und besuchten.

Die Vesperkirche war wichtiger denn je

„Heute sind wir sehr froh und erleichtert, dass wir die Vesperkirche trotz Corona und des verschärften Lockdowns angeboten haben“, sagt Dekan Ralph Hartmann. Man habe im Vorfeld viel am Konzept gefeilt, ergänzt er. „Die steigenden Corona-Zahlen veranlassten uns, kurz vor Beginn der Vesperkirche die Hygiene-Vorschriften genau zu prüfen“, erklärt er. Hartmann lobte ausdrücklich die gute und enge Zusammenarbeit mit dem Mannheimer Gesundheitsamt und der Stadt Mannheim. „Das Wichtigste war uns, in diesen schweren Zeiten Menschen helfen zu können, die ohnehin am Rand der Gesellschaft stehen und es jetzt schwerer haben denn je“, erklärt er. Pfarrerin Anne Ressel kann dem nur beipflichten. „Wir haben viele Geschichten von unseren Gästen gehört, vieles war erschreckend, gerade Wohnsitzlose sind in einer schlimmen Situation, sie haben noch nicht einmal mehr die Möglichkeit, tagsüber auf Toilette zu gehen, da alles geschlossen ist“, erzählt sie.

Große Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer*innen und Mannheimer Stadtprominenz

Rund 270 Menschen hatten sich gemeldet, um in der Vesperkirche zu helfen. „Es war natürlich in diesem Jahr alles ganz anders“, berichtet Ingeborg Schmidt. Sie ist eine Frau der ersten Stunde und half bereits 1998 bei der ersten Mannheimer Vesperkirche mit. „Es war längst nicht so viel Trubel wie in den Jahren zuvor, alles lief sehr geordnet ab“, erzählt sie, „Die Ruhe in der Kirche hatte auch etwas Schönes“. Dennoch freut sich auch Ingeborg Schmidt, wenn in der Vesperkirche im kommenden Jahr wieder „volles Haus“ ist. Zumal dann ein großes Jubiläum ansteht – 25 Jahre Vesperkirche Mannheim. Auch in der Mannheimer Stadtgesellschaft stieß die Durchführung der Vesperkirche auf positive Resonanz. Stadträte, Land- und Bundestagsabgeordnete bewirteten die Gäste in der Kirche oder halfen am Wärmezelt.

Strikte Hygienemaßnahmen, medizinische Hilfe und Sozialberatung

Grundsätzlich galt ein strenges Hygiene-Konzept mit Abstandsregeln, Maskenpflicht und Desinfizierung der Hände. Alle 270 Ehrenamtlichen wurden mit FFP-2 Masken ausgestattet. Gäste, bei denen eine erhöhte Temperatur festgestellt wurde, konnten die Kirche nicht betreten. Unterstützt wurde das Hygiene-Konzept von den Johannitern, die, wie in den Jahren zuvor, mit einer medizinischen Notversorgung vor Ort waren. Die Sozialberatungen des Diakonischen Werks und anderer Einrichtungen fanden nicht – wie bisher – im Kirchenraum statt, sondern in einem großen Raum im gegenüberliegenden Gebäude. “Dennoch haben viele den Weg zu uns gefunden“, berichtet Michael Graf, Direktor des Diakonischen Werks Mannheim. „Deutlich wurde, wie Corona die Situation vieler Menschen verschärft hat“, sagt er. So sei der Job-Verlust durch die Pandemie ein immer wiederkehrendes Thema gewesen. „In einigen Fällen haben wir mit dem Corona Hilfefonds schnell und unbürokratisch helfen können“, so Graf, „etwa, wenn es um Mietschulden ging“.(fek)(Bild: A.Kästel)

Spenden für die Mannheimer Vesperkirche sind willkommen und können auf das
Spendenkonto überwiesen werden.
Evangelische Kirche Mannheim
Sparkasse Rhein Neckar Nord
IBAN: DE44670505050039003007
BIC: MANSDE66XXX
Stichwort: Vesperkirche

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