„Armut ist mächtig – wir setzen ihr etwas entgegen“

Vesperkirche lädt ab 6. Januar wieder zum Mittagessen ein

Mannheim, 13.02.2019 – „Wir wollen hinschauen, den Mensch in den Blick nehmen“, mit diesen Worten stellte Dekan Ralph Hartmann bei einem Pressegespräch im Beisein seiner Pfarrerin Ilka Sobottke und Diakonie-Direktor Michael Graf die 23. Mannheimer Vesperkirche vor. Als Kirche setze man mit der Vesperkirche der Armut etwas entgegen, indem man ihrem Ursprungsmotiv Raum gäbe, Liebe und Menschlichkeit lebe. „An-Sehen“ sei als Titel für die nächste Auflage bewusst gewählt. Seinen Dank spricht er auch gegenüber der Stadtgesellschaft aus. Kirche habe politisch Mut erhalten und man sähe wie die jährlich stattfindende Aktion mittlerweile zum Gemeinschaftswerk einer ganzen Stadt geworden sei, wenn er auf die zahlreichen Unterstützer blickt. Die Vesperkirche startet am Dreikönigstag mit einem Eröffnungsgottesdienst unter der Leitung von Pfarrerin Anne Ressel. 1740 Helfereinsätze zählt das Team in diesem Jahr, daruntermehr als 150 Jugendeinsätze durch die Kooperation mit Mannheimer Schulen und Gemeinden.

„An-Sehen“ – Hinschauen, wo Menschen keine Lobby haben


Es sind zum einem die Menschen, die den Mut wegen vieler Schicksalsschläge verloren hätten; die in ihrem Leben viel gearbeitet haben, aber im Alter abgehängt seien. Sie werden am Ende zu Leistungsbeziehern, und nicht mehr gesehen, weil sie materielle Hilfe in Anspruch nehmen müssen, berichtet Pfarrerin Ilka Sobottke, wenn sie von den Gästen der Vesperkirche spricht. „Diese Menschen sollten aber Wertschätzung bekommen. Haben wir denn keinen Respekt mehr, ist es eine einstudierte Rhetorik hier wegzuschauen?“, Pfarrerin Ilka Sobottke benennt es als „systemisches Problem“. Am Ende seien sie nur noch „der Leistungsempfänger“ und nicht mehr der Mensch. Mit der Mannheimer Vesperkirche wolle man mit dem Titel „An-Sehen“ dem entgegentreten, die Menschen wieder „neu-formulieren“, wie sie sagt.

Ein breit aufgestelltes Beratungsangebot steht der Vesperkirche deshalb auch in diesem Jahr zur Verfügung, unterstützt durch Sozialarbeiter des Diakonischen Werks, darunter das Mannheimer Arbeitslosenzentrum, der Arbeitsbereich Asyl und Migration, und das Haus Bethanien e.V.. Innerhalb vier Wochen, betont Direktor-Direktor Michael Graf, gelänge es Experten der Sozialen Arbeit Zugang zu den Menschen zu bekommen. Gemeinsam könne man über den Türöffner des Mittagstischs, niedrigschwellig Problematiken erörtern und konkret Hilfe leisten, „Ein Entre-Billet der sozialen Arbeit“, so betont Graf, das unverzichtbar bei der ganzheitlichen Unterstützung sei.

Eröffnungsgottesdienst am 6. Januar 2020 – Predigtreihe „An-Sehen“ u.a. mit Dr. Jens Hildebrandt

Pfarrerin Anne Ressel eröffnet die Vesperkirche am 6. Januar um 10 Uhr unter dem Titel „Erleuchtende Augen des Herzens“ in der Kantorei. Zur Vesperkirche gehört die Predigtreihe „An-Sehen“, an der Persönlichkeiten aus Kirche und Gesellschaft mitwirken. Neben Dekan Ralph Hartmann und den beiden Pfarrerinnen Ilka Sobottke, Anne Ressel und Diakonie-Direktor Michael Graf werden Dr. Jens Hildebrandt vom Mannheimer Jobcenter und Elisabeth Förter-Barth der Diakonie Baden Gastpredigten halten.

Traditionell wird am 12. Januar das Kurpfälzische Kammerorchester unter der Leitung von Studierenden der Dirigierklasse Prof. Stefan Blunier stattfinden. Am 26. Januar machen sich Künstler und Musiker mit einem Benefizkonzert unter dem Titel „Friends for Vesperkirche“ für die Beteiligten stark. Am 10. Januar zeigt die Vesperkirche in der Citykirche Konkordien um 18 Uhr den Film „Frosch im Schnabel“, eine Dokumentation des Mannheimer Regisseurs Stefan Hillebrand. Eingefangen und filmisch verarbeitet hat der Filmemacher viele Szenen aus der letztjährigen Vesperkirche. Dabei hat das Filmteam die beiden Pfarrerinnen Ilka Sobottke und Anne Ressel über vier Wochen begleitet, viele Protagonisten der Vesperkirche vor die Kamera genommen und interviewt.
Die durch Spenden finanzierte Vesperkirche wird getragen von der Evangelischen Kirche in Mannheim und ihrem Diakonischen Werk. (JeLa)

Zurück