„Trotziges Engagement gegen Armut und Einsamkeit“

25. Mannheimer Vesperkirche endet mit knapp 13.000 Besuchern

(04.02.2022) Am 6. Februar beendet die Evangelische Kirche Mannheim nach vier Wochen die 25. Mannheimer Vesperkirche. Knapp 13.000 Essen wurden in diesem Jahr ausgegeben, darunter 2725 Essen, die in der Kirche stattfanden und knapp 10.000 Essen, die als to-go-Angebot an die Gäste verteilt wurden. „Wir sind dankbar und stolz auf die Entschlossenheit unseres Teams und die der vielen Ehrenamtlichen, die diese Aktion möglich gemacht haben“, sagt Dekan Ralph Hartmann. Es sei gut und ein enorm wichtiges Zeichen in der gegenwärtigen Zeit die Vesperkirche zu öffnen und das Willkommen-Sein auch physisch erleben zu dürfen. „Menschen brauchen einen Ort, wo sie aufgenommen werden und willkommen sind“, so Hartmann. Die Vesperkirche sei so ein Ort, wo es möglich ist, bedingungslos Gast zu sein. „Aufsehen“, so lautete das Motto der diesjährigen Vesperkirche – im doppelten Sinne und bewusst gewählt, bestätigt auch Pfarrerin Ilka Sobottke. „Denn die Gäste, die zu uns kommen sind es wert, angesehen zu werden.“

Pandemie fordert psychosoziale Opfer. Arm trotz Arbeit.


50 % der Gäste, die in die Vesperkirche kommen, leiden unter einer psychischen Erkrankung, so beobachtet die Pfarrerin Ilka Sobottke. Kindheits- und Jugendtraumata durch Vergewaltigungen in oder außerhalb der Familie, seien oft der Grund. „Die Folgen, die daraus entstehen sind immens und beeinträchtigen den Menschen sein ganzes Leben“. Das spüre sie auch in der Kirche, wenn sie sich mit den Gästen unterhalte. „Die vielen Beschränkungen, 3-G oder 2-G+, Impftermine – all das kriegen diese Menschen, vor allem mit schwerer psychischer Erkrankung, nicht organisiert.“ Die Pandemie lasse vor allem psychosoziale Kosten entstehen, sie schließe aus, sei nicht integrativ, sagt sie. „Und wieder sind es die gleichen Verlierer, die sowieso am Rande der Gesellschaft stehen“, bestätigt auch Dekan Ralph Hartmann. Daneben seien auch in diesem Jahr einige ältere Frauen zu Gast gewesen. „Armut ist weiblich – das sehen wir auch in der Vesperkirche.“ Es seien Frauen, die in der Care-Arbeit angesiedelt seien, wenig an Sozialleistungen erhalten, aufstocken müssen, um die Grundbedürfnisse einigermaßen zu bedienen. Viele haben einen Migrationshintergrund, sind prekär beschäftigt. „Es erstaunt deshalb nicht, dass es tatsächlich 1/3 sind, die arbeiten gehen, aber arm sind.““

Impfangebot gut angekommen
Wie vielschichtig und belastend, aber auch einschränkend Armut sein kann, zeigt auch eindrücklich das Resultat der diesjährigen Impfaktion, die unter der Leitung von Frau Dr. Adelheid Weiss stattfand. Rund 100 Impfdosen wurden verbraucht. „Wären die Menschen nicht zu uns gekommen, hätten sie sich gar nicht impfen lassen, so meine Beobachtung“, berichtet Weiss. Es sei gut gewesen, das Angebot so niedrigschwellig wie nur möglich anzusiedeln.

Netzwerk der Vesperkirche greift das ganze Jahr, über 450 Ehrenamtliche im Einsatz

„Die Mannheimer Stadtgesellschaft trägt die Vesperkirche mit“, sagt Dekan Ralph Hartmann. Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer, ohne die vielen Spenden wäre die Vesperkirche nicht möglich. So halfen rund 47 Ehrenamtliche jeden Tag, Essen auszuteilen. Vor allem aber, sie führten Gespräche mit den Gästen. Auch das Spendenaufkommen war in diesem Jahr besonders hoch, berichtet Hartmann. 1.100 Menschen haben in diesem Jahr für die Vesperkirche gespendet.

Abschluss der Vesperkirche am Sonntag „Schluss ja, aber nicht zu Ende“

500 Brote, 400 Packungen Butter, 200 kg Wurst, 20.000 Trinkbeutel, über 1200 Kuchen aus den Gemeinden und Privathaushalten – die Vesperkirche endet am kommenden Sonntag mit Hähnchenbrust Filet, Kohlrabi-Gemüse und Salzkartoffeln. Den Abschlussgottesdienst am 06. Februar hält Dekan Ralph Hartmann um 14.15 Uhr unter dem Titel „Schluss ja, aber nicht zu Ende“. Zuvor hält abschließend zur Predigtreihe „Ansehen“ Pfarrerin Anne Ressel den Gottesdienst um 10:00 Uhr unter dem Titel „...und erhebt eure Häupter!“. www.vesperkirche-mannheim.de. (JeLa)

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