Die 29. Mannheimer Vesperkirche endet am kommenden Sonntag mit einem feierlichen Abschlussgottesdienst. Hinter der Aktion liegen intensive Wochen mit einem neuen Rekord: Über 20.000 warme Mahlzeiten wurden ausgegeben – rund 15 Prozent mehr als im Vorjahr. An einzelnen Tagen kamen über 800 Gäste.
29. Mannheimer Vesperkirche endet mit Rekordzahlen
Über 20.000 Essen, wachsende Einsamkeit und großer Beratungsbedarf
„Was uns besonders beschäftigt, ist die große Einsamkeit“, sagt Pfarrerin Ilka Sobottke. „Viele Menschen kommen nicht nur wegen eines Essens, sondern weil sie hier Gemeinschaft erleben.“ Gleichzeitig sei spürbar, dass immer mehr Menschen mit den Krisen unserer Zeit überfordert seien – finanziell, psychisch und sozial. Besonders betroffen seien ältere Menschen, deren Rente angesichts steigender Kosten nicht mehr ausreiche.
Neben Einsamkeit und Armut wurden in der Vesperkirche auch Wohnungsnot, verdeckte Armut und fehlende Gesundheitsversorgung sichtbar. „Menschen ziehen sich zurück, schämen sich und verlieren an Teilhabe“, so Sobottke. Aktuelle Debatten, etwa zur Zahnversorgung, verstärkten diese Unsicherheiten zusätzlich.
„Hier wird Kirche ganz konkret als offene Tür erfahrbar“
Ein zentraler Bestandteil der Vesperkirche war erneut die diakonische Sozialberatung. „Hier wird Kirche ganz konkret als offene Tür erfahrbar – ohne Voraussetzungen, ohne Bewertung“, erklärt Martin Metzger, stellvertretender Direktor des Diakonischen Werks Mannheim. Im Durchschnitt suchten täglich rund zehn Menschen die Beratung auf, insgesamt wurden während der Vesperkirche etwa 200 Personen unterstützt.
Ergänzt wurde das Angebot durch den DiakoniePunkt Konkordien mit Kleiderausgabe.
Besonders stark nachgefragt war die Wohnungsnotfallberatung. Erstmals war in diesem Jahr zusätzlich das neue Projekt „Wohnungslotsen“ vertreten, das Menschen bei der digitalen Wohnungssuche unterstützt. Bei acht Terminen wurden 23 Beratungen durchgeführt und 20 Personen bei der Online-Wohnungssuche begleitet – von der Profilerstellung bis zur Antragstellung. „Das Angebot wurde vom ersten Tag an sehr gut angenommen“, berichtet Marie-Louise Uhrig vom Haus Bethanien e. V..
Starkes Netzwerk ermöglicht Vesperkirche
Möglich wurde die Vesperkirche durch ein großes Netzwerk aus Ehrenamtlichen, Kirchengemeinden, sozialen Trägern, Unternehmen und zivilgesellschaftlichem Engagement. „Das Wesen der Vesperkirche ist das Zuhören“, betont Metzger. „So entsteht Würde, Respekt und Gemeinschaft.“
Am Sonntag, 8. Februar, endet die Vesperkirche mit einem Abschlussgottesdienst. Um 10 Uhr predigt Oberkirchenrätin Sabine Jung (Diakonie Baden) unter dem Titel „Kirche und Diakonie – gemeinsam Kirche Jesu Christi sein“. Der Abschlussgottesdienst findet um 14.15 Uhr unter der Leitung von Schuldekan Andreas Weisbrod statt.
Mit dem Ende der Vesperkirche bleibt der DiakoniePunkt Konkordien als „kleine Vesperkirche“ weiterhin geöffnet – montags bis freitags mit Mittagessen, Kaffee, Kuchen und Kleiderausgabe.
Die Mannheimer Vesperkirche findet jährlich statt und wird getragen von der Evangelischen Kirche Mannheim und ihrem Diakonischen Werk. Neben einem warmen Mittagessen bietet sie Hilfebedürftigen ein breites Sozialberatungsangebot. Geöffnet ist sie täglich von 11 bis 15 Uhr. Mittagessen bis 14 Uhr. Unterstützung für die ausschließlich durch Spenden finanzierte Aktion ist daher willkommen. Spendenkonto: Evangelische Kirche Mannheim, Sparkasse Rhein Neckar Nord, IBAN: DE44670505050039003007, BIC: MANSDE66XXX, Stichwort: Vesperkirche. Infos: www.vesperkirche-mannheim.de, Fotos: Till Kretner (JeLa)



